Grundschule Geltendorf

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Was Eltern über die Grundschule wissen müssen

Vier Jahre Grundschulzeit - das ist für die meisten Kinder die Regel. In diesen vier Jahren sollen die Kinder alle tragfähigen Grundlagen erwerben, so dass sie in den weiterführenden Schulen erfolgreich weiterlernen. Dabei sind die Kenntnisse und die Fähigkeiten der Kinder schon zu Schulbeginn höchst unterschiedlich: Die einen kennen keinen Buchstaben, die anderen können schon lesen, die einen erzählen in munterem Sprachfluss, andere können sich in der deutschen Sprache kaum verständigen. Wissenschaftlich wurde festgestellt, dass in den Grundschulklassen die Kinder oft um drei bis vier Entwicklungsjahre auseinander liegen. Wie kann da ein Unterricht geführt werden, der nicht die einen ständig unterfordert und die anderen überfordert?

Hinzu kommt der PISA-Schock: Hat nicht der internationale Vergleich gezeigt, dass die deutschen Schülerinnen und Schüler viel zu wenig lernen? Liest man nicht immer wieder: Wie PISA gezeigt hat, muss schon in der Grundschule ... ?

Die Grundschule hat in mehreren Jahrzehnten ein besonderes pädagogisches Profil herausgebildet, um diese Probleme zu bewältigen. Sie muss sich auch einigen Schwierigkeiten stellen, die sie allein nicht lösen kann. Im Folgenden werden einige markante Stellen dieses Profils genannt:

- Die Vielfalt der Kinder: Differenzierter Unterricht

- Gemeinsamer Unterricht

- Die wichtigsten Ziele

- Die Lernwege der Kinder

- Entwickeln und Steuern

- Der Übergang in weiterführende Schulen

- PISA und IGLU: Wie gut ist die Grundschule?

Die Vielfalt der Kinder: Differenzierter Unterricht

Drei bis vier Entwicklungsjahre liegen die Kinder in Grundschulklassen auseinander. Wie können die Lehrkräfte es dabei schaffen, den einzelnen Kindern gerecht zu werden?

Viele Wege führen nach Rom – das gilt auch für die Möglichkeiten für einen differenzierten Unterricht. Hier entwickelten die Lehrkräfte und Schulen verschiedene Modelle, die aber alle das eine Ziel haben: Kinder individuell zu fördern und zu fordern.

Differenzierte Aufgaben

Die einfachste Lösung: Die einen Kinder erhalten die Aufgaben X, die anderen die Aufgaben Y. Die Lehrkraft weiß, welche Kinder ihre besondere Hilfe brauchen. Denen wendet sie sich zu.

Beispiel Lesen: Da gibt es in einer Klasse 1 verschiedenen Lesestoff, vielleicht kommen einmal in der Woche auch Lesemütter oder -väter, um mit Kindern zu lesen. Nun übt die Lehrerin mit den einen Kindern einen neuen Buchstaben, neue Wörter und kleine Texte. Die schon lesetüchtigeren Kinder lesen in den Lesematerialien, sie lesen mit den Lesemüttern, führen ein Lesetagebuch, in das sie malen oder schreiben, worüber sie gelesen haben.

Beispiel Rechtschreiben: Für das Rechtschreib-Lernen gibt es in Klasse 3 oder 4 eine Kartei, die Kinder arbeiten damit nach eigenem Lerntempo und mit solchen Karten, die auf ihre besonderen Fehlerschwerpunkte abgestellt sind. Auf einer Laufkarte hält jedes Kind fest, was es erarbeitet hat, die Lehrkraft zeichnet nach Kontrolle gegen.

Wochenplan

Die Lehrkraft gibt den Kindern einen Wochenplan mit Aufgaben, an denen sie in bestimmten Stunden der Woche eigenständig arbeiten. Dabei kann es Pflichtaufgaben geben, die man erledigen muss, und Küraufgaben, aus denen man auswählen darf. Die Kinder werden während dieser Arbeitsstunden von der Lehrkraft bei ihrer Arbeit beraten. Wenn nötig, setzt sich die Lehrkraft mit einigen Kindern für eine Zeit zusammen, um die Aufgaben gemeinsam zu erledigen.

Werkstattunterricht

Die Lehrkraft hat in der Klasse verschiedene Stationen und Arbeitstische mit unterschiedlichen Aufgaben vorbereitet. Die Kinder müssen an bestimmten Stationen arbeiten, andere sind freie Angebote. Zum Thema Ritter und Burgen wird an einem Tisch ein Burgmodell mit Hilfe der Informationen aus einem Sachbuch erstellt; es gibt Bücher zur Ritterzeit mit Leseaufgaben, Rechtschreibwörter mit Übungen; es gibt die Aufgabe, ein Lexikon zu geschichtlichen Begriffen zu schreiben und anderes mehr.

Freie Arbeit

Die Kinder wählen mit Beratung der Lehrkraft ihre Arbeit selbst und erledigen sie eigenverantwortlich.

Beispiel Thema Haustiere: Die Kinder entscheiden mit der Lehrkraft über Arbeitsangebote zum Thema Haustiere: Pferde, Hunde und Katzen, Meerschweinchen und Zwergkaninchen und andere mehr. Die Kinder wählen ein Haustier, überlegen, worüber sie sich informieren wollen, wie sie an die Informationen gelangen und wie sie am Ende das Erarbeitete auch der Klasse vorstellen. Je nach Fähigkeiten der Kinder hält die Lehrkraft unterschiedliches Material bereit und berät die Kinder während der Arbeit.

Integrierte Schuleingangsstufe Die jahrgangsübergreifende Klasse ist ein organisatorisches Modell, das dem Anliegen der Differenzierung entspricht. In der integrierten (oder flexiblen) Schuleingangsstufe sind Kinder der Klassen 1 und 2 zusammen. Leistungsstärkere Erstklässler können schon mit den Zweitklässlern arbeiten, leistungsschwächere Zweitklässler manches aus der Klasse 1 noch einmal wiederholen.

Bei all diesen Möglichkeiten können die Kinder Aufgaben erledigen, die auf ihre Leistungsmöglichkeiten hin zugeschnitten sind. Sie üben dabei das Lesen und Schreiben ebenso wie das selbstständige Arbeiten, wie sie sich die Zeit einteilen, wie sie sich Arbeitsmittel beschaffen, wie sie ein Ergebnis herstellen, das man auch anderen präsentieren kann.

Erstes Fazit:

Ein moderner Grundschulunterricht stellt unterschiedliche Anforderungen an die einzelnen Kinder. Dazu gibt es verschiedene Konzepte. An der jeweiligen Schule kann Auskunft gegeben werden, welche Möglichkeit zur differenzierten Arbeit dort genutzt werden und wie dabei die Schwächeren gefördert und die Stärkeren zu größeren Leistungen herausgefordert werden.

 

Gemeinsamer Unterricht

Wenn der Unterricht differenziert wird, dann darf das nicht heißen: Die Kindern lernen nur individuell, auf sich gestellt und für sich. Zu den Grundprinzipien des Grundschulunterrichts gehört, dass die Kinder auch lernen, sich gegenseitig zu helfen, miteinander zu kooperieren, sich einzuordnen, Gespräche gesittet zu führen, Streit ruhigauszutragen und zu regeln. Auch hierzu haben sich in der Grundschulpädagogik verschiedene Möglichkeitenentwickelt, die je nach Absprachen in der Schule und nach Arbeitsstil der Lehrkraft realisiert werden. Hier einige
Möglichkeiten, die häufig anzutreffen sind.

Das gemeinsame Thema

Der Unterricht in der Klasse dreht sich um ein Thema: In den Beispielen oben waren das Ritterzeit und Haustiere. Andere Themen können sein: das Lesen eines Kinderbuches, das Schreiben einer Klassenzeitung, eine Erkundung im Ortsteil, ein regionales Thema wie die Eifel, Talsperren, der Hafen, das Allgäu, ein naturwissenschaftliches Thema wie Wetter und Wetterstation, Luft zum Leben, Leben im Regenwald ...

Bei dem jeweiligen Thema gibt es Aufgaben mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad: einfache und schwierigere Leseaufgaben, Aufgaben zur Befragung von Leuten und zum Protokollieren der Ergebnisse, Experimente und Protokolle, Beschriften von Sachzeichnungen, rechtschriftliches Üben wichtiger Wörter. Die Kinder berichten anschließend in der Klasse über ihre Ergebnisse.

Umfassender ist die folgende Differenzierung: Zu Anfang führt die Lehrkraft in das Thema ein. Die verschiedenen Arbeitsmöglichkeiten werden miteinander besprochen. Dann arbeiten die Kinder zumeist mit Partnern oder in einer Gruppe an ihrer Aufgabe. Am Ende einer Arbeitsphase berichten die Kinder über den Stand ihrer Arbeit. Dadurch werden die Kinder immer wieder auf das gemeinsame Thema hin orientiert und lernen, ihre eigene Arbeit im Zusammenhang des Themas auch zu verantworten. Am Ende werden die einzelnen Ergebnisse in der Klasse gezeigt, vorgetragen, die anderen Kinder fragen nach.

Arbeiten in differenzierter Arbeit leisten damit immer erkennbar einen Beitrag zur Arbeit am gemeinsamen Thema.

Projekte

Projekte sind Arbeiten, bei denen die Kinder von der Planung an mit eigenen Ideen am Thema mitarbeiten und bei denen am Ende ein gemeinsames Werk entsteht: eine Zeitung, eine Ausstellung, ein Forscherbuch, ein Geschichtenbuch, ein Theaterstück...

Beispiel Klassenzeitung: Was soll alles drin stehen? Wie soll sie gestaltet werden? Wer sollen die Leser sein? Über solche Fragen kommen die Kinder zu einer Planung und zu Aufgaben für Einzelne und für Gruppen. Am Ende tragen alle unterschiedlichen Arbeiten in der Klasse zum gemeinsamen Werk bei: der veröffentlichten und womöglich verkaufbaren Klassenzeitung.

Klassenrat / Besprechungsstunde

In regelmäßigen Besprechungen in der Klasse werden Probleme im Unterricht, Streitereien untereinander besprochen. Am Ende sollte ein Ergebnis stehen: eine Lösung, eine Absprache, ein Vorsatz. In manchen Klassen gibt es hierzu als Aufgaben für Kinder einen Präsidenten, der die Sitzung leitet, und Protokollführer.

Zweites Fazit:

Ein moderner Grundschulunterricht verbindet das individuelle und differenzierte Lernen mit dem gemeinsamen Lernen. Häufig trägt das, was individuell erarbeitet und geübt wird, auch zur gemeinsamen Arbeit bei und erhält von hier her auch seinen Sinn und für die Kinder die Bestätigung.

 

Die wichtigsten Ziele

Das fachliche Lernen

Die Grundschule hat die Aufgabe, an die Kinder tragfähige Grundlagen zu vermitteln, auf denen das weiterführende Lernen aufbauen kann. Dass hierzu das Lesen- und Schreibenlernen ebenso gehört wie bestimmte Fähigkeiten im Rechnen versteht sich von selbst. Doch wird von der Grundschule hierbei oft zu viel erwartet.

Beispiel Lesen: Viele Kinder sind auch nach vier Jahren Grundschulzeit noch keine perfekten Leser. Die Texte in den Schulbüchern und Lexika werden in den kommenden Jahren anspruchsvoller und umfangreicher, die Sätze komplizierter, die Wörter fachlicher, die ganze Sprache weniger anschaulich, abstrakter wie zum Beispiel Lexikonartikel. Kinder, die gern und viel lesen, werden den steigenden Ansprüche mit eigenen Kräften gerecht; andere Kinder brauchen aber auch in den weiterführenden Schulen Leseförderung.

Beispiel Rechtschreiben: Kinder sind am Ende der vier Jahre Grundschulzeit keine perfekten Rechtschreiber, sondern sie sind auf dem Weg zur Rechtschreibsicherheit – die einen Kinder weiter, die anderen Kinder weniger weit. Deshalb steht Rechtschreibunterricht richtigerweise in allen Lehrplänen auch der weiterführenden Schulen.

Beispiel Sprachförderung: Kinder mit geringen deutschen Sprachkenntnissen können auch durch gute Sprachförderung im Laufe der Grundschulzeit nicht so weit gefördert werden, dass sie am Ende der Klasse 4 die deutschen Muttersprachler eingeholt haben. Die Ansprüche an die Lese- und Schreibfähigkeiten steigen in den weiterführenden Schulen von Jahr zu Jahr, entsprechend müssen diese Kinder weiterhin gezielt gefördert werden.

Zu diesen Zielen in den Fächern Deutsch und Mathematik kommen Ziele in den anderen Fächern, die häufig leider für weniger wichtig gehalten werden: in der Fremdsprache, in den ästhetischen Fächern wie Kunst, Musik, Sport und Bewegung, in den religiösen Fächern.

Das fachliche Lernen ist aber nur die eine Seite der Medaille "wichtige Ziele". Die andere ist das überfachliche Lernen.

Das überfachliche Lernen

Zur grundlegenden Bildung gehören immer auch Ziele wie verlässlich arbeiten, miteinander kooperieren, über Lernergebnisse und Lernwege nachdenken, Methoden selbstständigen Arbeitens kennen und anwenden, lernen  und leisten wollen. Diese überfachlichen Ziele werden nicht als eigene Themen im Unterricht bearbeitet, sondern sind bei jedem Lernen immer mit im Spiel.

Die 16 Bundesländer haben zumeist eigene Lehrpläne (geläufige andere Begriffe dafür sind: Rahmenlehrpläne, Bildungsstandards), in denen solche Ziele für die Grundschulen im jeweiligen Bundesland festgelegt sind. Im großen Ganzen unterscheiden sie sich nicht grundlegend voneinander. Inzwischen gibt es bundesweit geltende Standards für die Grundschule, die von den Bundesländern in die eigenen Vorschriften übernommen werden. Diese Ziele lassen aber immer Spielraum für die einzelne Schule. Sie fasst sie konkreter und kann sie auch ergänzen. Das geschieht im Arbeitsplan der Schule (geläufige andere Begriffe sind: Stoffverteilungsplan,
schuleigener Lehrplan, Schulcurriculum).

Drittes Fazit:

Der moderne Grundschulunterricht fördert die Kinder in ihrem fachlichen Lernen und zugleich in ihren überfachlichen Fähigkeiten. Sie beziehen sich auf die Fähigkeiten zum selbstständigen, verantwortlichen Arbeiten, zum sozialen Miteinander, zum Leistungswillen.

 

Lernwege der Kinder

Kinder gehen entwicklungstypische Lernwege. Kleine Kinder lernen das Laufen über bestimmte Phasen: sie drehen sich im Liegen, sie stützen sich auf, sie robben, sie gehen ein paar Schritte und halten sich dabei fest, schließlich um ein Lebensjahr herum laufen sie eigenständig und freihändig. Ähnliches gilt für das Sprechenlernen, hier ist es der Weg vom Formen erster Laute, über erste Wörter, über kleine Sätze, die nicht der Grammatik der Erwachsenen entsprechen (MA BALLA HAM – Martin will den Ball haben.), bis sie schließlich so sprechen, wie sie es in ihrer Umgebung gehört haben. Niemand erwartet von einem kleinen Kind, dass es ohne die Vorphasen auf einmal richtig läuft, und jeden erfreuen die ersten Laute eines Babys als wichtige Entwicklungsschritte.

In den letzten Jahrzehnten wurde besonders zum Lesen, Schreiben und Rechnen viel über die Lernwege der Kinder geforscht. Dies hat zum Beispiel zu einer radikalen Änderung beim Rechtschreibunterricht geführt. Früher galt als Prinzip: Kinder dürfen keinen Fehler machen. Heute gilt: Die Kinder auf ihrem Weg zum richtigen Schreiben begleiten; Fehler sind dabei Fenster in die Lernentwicklung des Kindes. Beispiel Kinder über ihre Lieblingstätigkeit:

"ICH HEMA GERN MITM HAMA UN NEGL" (Ich hämmer gern mit Hammer und Nägeln)

Natürlich sind im oberen Text viele Rechtschreibfehler zu finden. Aber welche Leistung eines Erstklässlers steckt in ihm: Erste schreibwichtige Wörter sind normgerecht geschrieben (ich, gern), andere sind mit den Buchstaben, die das Kind kennt, lautgetreu verschriftet. Die Wortgrenzen sind alle beachtet. Das ist der Lernweg: von lautgetreuer Verschriftung zum normgerechten Schreiben. An diesem Beispiel kann man ablesen, wo das Kind auf diesem Weg
steht. Die Lehrerin unterstützt den Weg zum Beispiel dadurch, dass sie die normgerechte Schreibung darunter schreibt und dem Kind die Möglichkeit zum Vergleich gibt.

Viertes Fazit:

Ein moderner Grundschulunterricht unterstützt die Kinder auf ihren eigenen Lernwegen und erarbeitet mit ihnen die weitere Entwicklung.

 

Entwickeln und steuern

Wenn die Grundschule die Kinder differenziert fördert, jedes Kind auf dem Niveau seiner Möglichkeiten, wenn sie dabei die Lernwege der Kinder beobachtet und unterstützt, dann ist sie dem Prinzip Entwickeln verpflichtet. Die Bildungseinrichtungen haben ein zweites Prinzip: das Steuern. Sie sollen die Bildungswege der Kinder steuern. Beispiele hierfür sind das Sitzenbleiben, der Übertritt in eine Sonderschule, die Entscheidung über die Schulform nach der Grundschulzeit. Als wichtige Mittel, um die Steuerungsentscheidungen vorzubereiten, gelten Noten und Klassenarbeiten.

Genau hier liegt eines der nachhaltigsten Probleme der Grundschule: Entwickeln und Steuern vertragen sich nicht miteinander. Wenn lernschwächere Kinder im Notenbereich Mangelhaft bekommen, dann entmutigt dies auf Dauer, ihre Anstrengungsbereitschaft wird gelähmt. Wenn lernstärkere Kinder ein Abonnement auf gute bis sehr gute Noten haben, auch ohne sich weiter anstrengen zu müssen, dann vermindert das ihre Anstrengungsfähigkeiten, sie werden selbstgenügsam. Deshalb ist eine immer wieder nachhaltig vorgetragene Forderung der pädagogischen Wissenschaft, die Noten durch andere Rückmeldungen an Eltern und Kinder zu
ersetzen, die individuelle Lernentwicklungen würdigen und Lernstände beschreiben. Im allgemeinen Verständnis ist aber das Notenwesen so sehr mit Schule verbunden, dass sich eine Änderung derzeit nicht abzeichnet.

Fünftes Fazit:

Moderner Grundschulunterricht folgt dem Prinzip des Entwickelns. Er muss allerdings das Prinzip des Steuerns im Laufe der Grundschuljahre mehr und mehr berücksichtigen und Wege finden, dies für die Kinder relativ verträglich zu gestalten.

 

Der Übergang in weiterführende Schulen

Auf die Grundschule folgt in Deutschland ein verzweigtes Schulsystem, in den meisten Bundesländern mit vier Schulformen: Hauptschule, Realschule, Gymnasium und Gesamtschule. Die Entscheidung ist in vielen Fällen schwierig, auf welche dieser Schulformen das Kind wechseln soll. Das hat mehrere Gründe:

- Die Leistungsanforderungen sind nicht einheitlich, in den einen gymnasialen Klassen sind sie höher als in den anderen, in manchen Realschulklassen höher als in manchen gymnasialen Klassen usw.

- Für das Lernen eines Kindes ist immer auch wichtig, wie die Atmosphäre in der Klasse ist, in wieweit es sich hier wohlfühlt, ob die Lehrkräfte fachlich und pädagogisch kompetent sind. Das aber stellt sich erst allmählich heraus.

- Bei den Kindern ist die Lernentwicklung nicht über einen längeren Zeitraum vorhersehbar. Zu viele  Ereignisse beeinflussen sie, zum Beispiel familiäre Probleme, Schwierigkeiten der pubertären Jahre und wie die Kinder damit zurecht kommen, die Kompetenz der weiteren Lehrkräfte, deren fachliche Motivierung und wie sich beim Kind das Interesse für neue Fachgebiete entwickelt.

Es gibt Kinder, bei denen kann man am Ende der Klasse 4 sicher sein, dass sie auf der Realschule oder auf dem Gymnasium erfolgreich sind. Und es gibt natürlich Kinder, bei denen man voraussagen kann, dass sie auf der Realschule oder auf dem Gymnasium überfordert sein werden. Bei der größeren Zahl der Kinder ist das aber zu diesem Zeitpunkt nicht vorhersehbar und kein Test kann dabei abhelfen. Deshalb haben einige Bundesländer die Konsequenz gezogen und den Übergang "liberalisiert". Das heißt: Am Ende der Klasse 4 entscheiden die Eltern über die Schulform. Am Ende der Klasse 6 entscheidet dann die Schule, ob der weitere Verbleib sinnvoll ist. Damit sind zwei Jahre Erprobungszeit gewonnen.

Sechstes Fazit:

Gegen Ende der Grundschulzeit muss die Entscheidung getroffen werden, auf welche weiterführende Schule ein Kind geht. Dies ist in vielen Fällen nicht zweifelsfrei möglich.
Moderner Grundschulunterricht versucht deshalb dies mit allen Vorbehalten im Gespräch mit den Erziehungsberechtigten zu klären.

 

PISA und IGLU: Wie gut ist die Grundschule?

Es gehört zu den üblichen Ansagen, für die schlechten Ergebnisse deutscher Schülerinnen und Schüler in der PISA-Studie auch die Grundschule in Schuld zu nehmen: "Wie PISA gezeigt hat, muss schon die Grundschule ..."

Dies ist falsch und lenkt von den eigentlichen Problemen ab. In den PISA-Studien werden 15-jährige auf ihre Leistungen hin untersucht, in den IGLU-Studien 9-jährige. Die Ergebnisse beider Studien kann man miteinander vergleichen:

 

  Pisa (15-jährige) IGLU (9-jährige)
Internationale Platzierung weit unter dem
Durchschnitt, Platz 21
von 32
über dem Durchschnitt, oberer
Mittelplatz, in einer Gruppe nach
den drei Spitzenreitern
So groß ist die Leistungsspitze 10 % 18 %
So groß ist die Risikogruppe
(besonders schwache Schüler
23 % 10 %
So groß ist der Einfluss der
sozialen Herkunft auf die
Schulleistung
besonders groß erheblich geringer als bei PISA

 

Im Ergebnis also: Die Grundschüler weisen achtbare Leistungen auch im internationalen Vergleich auf; sie haben eine erheblich größere Leistungsspitze und weniger besonders schwache Schülerinnen und Schüler. Der Leistungseinbruch geschieht nach der Grundschule. Die Frage lautet mithin: Was läuft in den weiterführenden Schulen falsch, dass dies Kapital verspielt wird?

An dieser Stelle setzt die derzeitige Debatte um die Struktur des deutschen Schulwesens an. Die schulisch erfolgreicheren Länder haben gemeinsame Schulzeiten von acht oder neun Jahren, also kein früh verzweigtes Schulsystem. Länger gemeinsam lernen – das ist die Option für eine neue Schulstruktur. Sie ist politisch aber strittig.

Mit den Ergebnissen von IGLU wird auch deutlich, dass der Weg der modernen Grundschule richtig ist. Der Weg nämlich, für Kinder eine Schule zu gestalten,

- in der sie sich wohlfühlen können,

- in der sie individuell gefördert werden,

- in der die Förderung der gedeihlichen Entwicklung der Kinder Vorrang hat.

Der Begriff der "Kuschelschule" kann also ernstlich nicht mehr als Schimpfwort verwendet werden. Kinder lernen eben besser, wenn sie sich angenommen und aufgenommen fühlen, wenn auch dem Schwächsten Mut zur Anstrengung gemacht wird und Lernstärkere durch höhere Anforderungen herausgefordert werden.

Natürlich – dies hat etwas von einem Idealbild. In der Wirklichkeit gibt es vielfältige Abstriche, weil auch Lehrkräfte nur Menschen sind, weil die Kinder Verhaltens- und Lernprobleme haben, die kaum zu lösen sind, weil die Einführung der Noten das Lernen um der guten Note wegen verstärkt statt um der interessanten Sache wegen, weil die Klassen zu groß sind, weil die Auslese der Kinder gegen Ende der Grundschulzeit Beschämungen, Entmutigungen, Konkurrenzen der Kinder untereinander mit sich bringen, weil, weil, weil ...

Aber unter dem Strich gesehen, gelingt es der Grundschule erheblich besser, dem pädagogischen Idealbild nahe zu kommen als anderen Schulformen, siehe hierzu die Ergebnisse der IGLU-Studie.

Siebtes Fazit:

Die moderne Grundschule ist bei allen Schwierigkeiten auf dem richtigen Weg, wie die relativ guten Ergebnisse in internationalen Untersuchungen zeigen. Mögliche Vorbehalte wegen der schlechten PISA-Ergebnisse treffen die Grundschule nicht.


Mit freundlicher Genehehmigung des Autors:  Horst Bartnitzky, Dipl.-Päd., geb. 1940, war Lehrer und Rektor an Grundschulen, Lehrerfortbildner und Schulaufsichtbeamter;


Letzte Buchveröffentlichungen:

Berufseinstieg Grundschule
Sprachunterricht heute
Grammatikunterricht in der Grundschule (alle bei Cornelsen Scriptor)
Leistungen der Kinder wahrnehmen – würdigen – fördern (Grundschulverband)
Herausgeber des Unterrichtswerks KUNTERBUNT (Klett-Verlag)